Archiv - Tragischer Verkehrsunfall
RadZeit 5/2006/Seite 19/www.radzeit.de
Heather und Ken am 20. Aug. auf einer ADFC-Radtour durchs Havelland. Foto: Gerhard Wiest
Toter Winkel
Eigentlich war sie ganz anders - nur beim Auto fahren war Heather McCarthy die typische Texanerin. Mit 16 machte sie alle ihre amerikanischen Landsleute den Führerschein und begab sich auf die vielspurigen Highways. Als sie 1993 nach Hamburg zog, lernte sie die Stadt an der Elbe genauso wie nach 1999 Berlin mit dem Aoto und mit der U-Bahn kennen.
Toter Winkel: Sinnloser Tod
von Benno Koch
" in Texas fährt niemand Rad", sagt Ken, ihr späterer Lebensgefährte. "Als wir uns kennen lernten, fuhr Heather nur U-Bahn und fand das so langweilig." In Berlin schenkte er ihr ein Fahrrad und sie erschloss sich die Stadt vollkommen neu. "Sie fand so wundervoll! Plötzlich war sie nur noch mit dem Rad unterwegs." Und schließlich machte sie eine Erfahrung, die sie mit vielen anderen auf Fahrrad Ungestiegenen teilt: Sie fände es besser, wenn es weniger Autos und mehr Radfahrer gäbe.
Am 20. August fahren Ken und Heather gemeinsam ins Havelland. Es ist eine 100 Kilometer lange ADFC-Radtour - keine Tour für Anfänger, sondern eine auf der man zeigen kann wie fit man ist. Die Fotos stehen noch heute in der RadZeit-Bildergalerie - eigentlich ganz zufällig - und zeigen wie glücklich Heather war.
Heather war zuvor am Sonntag
den 20. August als Teilnehmerin mit voller Begeisterung auf meiner
ADFC-Havellandtour.
Detail-Ablichtung aus:
ADFC-Programmheft Rad & Touren
SPEZIAL 1/2006/Seite 87
Autor: Gerhard Wiest
Es ist der 24. August: "Eine 32-jährige Frau aus Kreuzberg kam heute Morgen gegen 7.39 Uhr bei einem Verkehrsunfall mit einem Lkw ums Leben", meldet der Pressedienst der Berliner Polizei. "Sie war mir ihrem Fahrrad auf dem Radweg des Tempelhofer Damms in Richtung Marien-dorfer Damm unterwegs. Als sie die Kreuzung am Bayernring bei ,Grün' überquerte, wurde sie von einem 51-jährigen Lkw-Fahrer übersehen und erfasst.
Heather war auf dem Weg zu ihrer Arbeit als Englischlehrerin. Sie war sofort tot. Es war einer dieser vollkommen sinnlosen Fahrradunfälle im toten Winkel von Lkw. Selbst in den Äußerungen der Berliner Polizei hatte man stärker als sonst den Eindruck, dass diese nicht mehr länger bereit ist, diese Art von Unfällen weiter hinzunehmen. Auch für den Berliner ADFC war ein Punkt erreicht, nach zusätzlichen Mittel zu suchen, die Angehörigen stärker zu unterstützen. Zusammen mit Wilbert van Waes, dem niederländischen Initiator des DOBLI-Spiegels gegen den toten Winkel, stellte der ADFC imsgesamt 3000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung. Gemeinsam mit den ADFC-Rachtsanwälten sollen so künftig Opfer und Angehörige von schweren und tödlichen Fahrradunfällen stärker als bisher bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützt werden.
Fotos: Gerhard Wiest
Cathy Collins musste erleben, was man keiner Mutter wünscht. Die Texanerin kam zur Beerdigung ihrer Tochter nach Berlin und möchte nun nach Möglichkeiten suchen, damit anderer dieses Schicksal erspart bleibt. Sie möchte alles tun, damit Gesetze geändert werden und vor allem mit anderen Eltern in ähnlicher Situationen in Kontakt kommen.
ADFC Berlin
Brunnenstraße 28
10119 Berlin-Mitte
Tel. (030) 448 47 24
Toter Winkel
Immer wieder werden Radfahrer von Lkw überrollt. Der patentierte DOBLI-Spiegel als vierter Sichthilfe an der Ecke vorne rechts könnte den toten Winkel deutlich verringern. Wibert van Waes hat den DOBLI-Spiegel mitentwickelt, nachdem sein Sohn vor neun Jahren bei einem Unfall im toten Winkel uns Leben kam.
Gegen den toten Winkel
Bismarkstraße Ecke Kaiser-Friedrich-Straße:
Denkmal für getötete Radfahrer.
Foto: Benno Koch
gerwies Radtouren Berlin